Meine Kamera-Einstellungen

Es vergeht kein Workshop, bei dem ich nicht gefragt werde, wie die Kameraeinstellungen bei meinen Bildern sind.

 

Ihr meint, wenn Ihr meine Einstellungen kennt, dann hilft Euch das, selbst besser zurecht zu kommen.

Das kann in seltenen Einzelfällen sogar einmal zutreffen, meist nutzt es Euch aber gar nichts.

Es ist auch gar nicht wichtig, sie genau zu kennen.

 

Sobald Ihr die Grundprinzipien der Fotografie verstanden habt, genügt ein Blick auf ein Foto ( von mir oder anderen Fotografen) und Ihr werdet einschätzen können, mit welcher Blende, welcher Verschlusszeit und ISO gearbeitet wurde.

 

Gefällt Euch zB. ein Portraitfoto mit schönem, weichem Hintergrund, dann wisst Ihr, dass es offenblendig fotografiert wurde. Was die "Offenblende" in Zahlen bzw. Einstellungen bedeutet, habt Ihr bereits gelernt. Auch die weiteren Gestaltungselemente für ein solch gelungenes Portraitfoto kennt Ihr schon. Und damit könnt Ihr die Einstellungen schon sehr gut abschätzen, ohne sie genau zu kennen.

Sobald Ihr die Grundregeln der digitalen Fotografie verstanden habt, braucht Ihr keine exakten Angaben mehr.

Ihr seid trotzdem schon in der Lage, selbst so ein Foto zu machen.

 

Die genauen Einstellungen bei bestimmten Bildern zu wissen, wird Euch nur insoweit nützen, als Ihr daran seht, inwieweit Ihr Eure Kenntnisse in der Fotografie schon verfestigt habt. Ihr könnt Euch bestätigt sehen oder erkennen, wann Ihr falsch liegt.

Ansonsten werden sie Euch jedoch nicht weiterhelfen, Ihr könnt sie nicht auf eigene geplante Aufnahmen übertragen.

 

Der Hauptgrund dafür ist:

Fotografieren ist Arbeiten mit Licht und Eure Kameraeinstellungen sind daher davon abhängig, welche Licht-Situation Ihr bei Eurer Fotosession vorfindet, mit welchem Licht und mit wie viel davon Ihr arbeiten werdet. Ist diese Lichtsituation nur minimal anders als bei dem Foto, zu dem Ihr die Einstellungen erfahren wollt, dann könnt Ihr die Einstellungen schon nicht mehr 1:1 übernehmen.

Licht verändert sich, es wechselt mit dem Wetter, der Uhr- und Jahreszeit usw. Ihr müsst Euch teils extrem schnell anpassen und nachjustieren.

 

Ihr fotografiert außerdem auch im Rahmen dessen, was Eure Ausrüstung möglich macht. Mit lichstarken, teuren Profi-Objektiven an Vollformatkameras habt Ihr vor allem bei schlechteren Lichtverhältnissen mehr Möglichkeiten, als bei den gängigen Kameras und Objetiven für den ambitionierten Amateur, die zwar ebenfalls schon sehr gute Ergebnisse liefern, aber doch einen eingeschränkteren Spielraum bieten. Es ist daher wichtig zu wissen, was Eure Kamera kann, was Eure Objektive an Lichtstärke hergeben.

 

Was auch noch eine Rolle spielt ist: Kaum ein Foto kommt genau so, wie Ihr es später seht, original so aus der Kamera. Im Grunde werden (fast) alle Bilder nachbearbeitet und optimiert. 

 

Ich gebe Euch daher den Rat: Es gibt kein allgemein gültiges Rezept für jede Aufnahme-Situation. Geht daher raus mit dem Gelernten im Kopf, macht Aufnahmen in unterschiedlichen Lichtsituationen, bekommt ein Gespür, ein Gefühl für Lichtsituationen und für Motive. Mit dieser Erfahrung könnt Ihr dann vor jeder Fotosession schon grundsätzliche Kameraeinstellungen vornehmen und sie anschließend bei Bedarf justieren.